„NIE WIEDER!“ – Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl zu Besuch

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am Schillergymnasium


„NIE WIEDER!“ – Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl zu Besuch am Schillergymnasium


Dienstag, 13.Januar 2026 in der Aula. Selbst die berühmte fallende Nadel wäre zu hören. Über 300 anwesende Schülerinnen und Schüler aus den drei oberen Jahrgängen unserer Schule folgen gefesselt dem Vortrag von Eva Weyl, die als jüdisches Kind zusammen mit ihren Eltern von den Nazis für drei Jahre in das niederländische KZ Westerbork verschleppt worden war.


Ihre biographische Geschichte bettet Frau Weyl dabei in den historischen Gesamtzusammenhang des nationalsozialistischen Vernichtungsterrors ein, indem sie ungemein lebendig und anschaulich die einzelnen Schritte ins Grauen der NS-Diktatur von Mobbing, über Ausgrenzung, Entrechtung, Gewalt und schließlich industrialisiertem Massenmord an 6 Millionen jüdischen Menschen schildert. Ein „Jahrtausendverbrechen“, das „schlimmste Verbrechen der Menschheitsgeschichte“ betont Eva Weyl.


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Dann nimmt sie, unterstützt von Fotos und Zeichnungen auf der Leinwand, die nachgeborenen Zuhörer*innen mit in ihre Kindheit unterm Hakenkreuz. Scheinbar frühzeitig waren ihre jüdischen Eltern Mitte der 1930er Jahre in die Niederlande ausgewandert, um dem Terror des Nazi-Regimes zu entgehen. Doch nach der Besetzung der Niederlande durch die NS-Truppen werden ihre Familie und sie in das KZ-Sammellager Westerbork deportiert. Auf den ersten Blick ein KZ, das sich von allen anderen unterscheidet. Anders als in den Vernichtungslagern im Osten gibt es hier hinreichend Essen, einen geregelten Schulbesuch und sogar in begrenztem Maße kulturelle Veranstaltungen. Insbesondere Evas Mutter gelingt es auf anrührende Weise, mithilfe kleiner Schwindeleien gegenüber ihrer Tochter, das Grauen von der Kinderseele weg zu halten.


Doch der Schein trügt. Die Opfer sollen nur beruhigt werden, sich widerstandslos in
die Todeslager verschleppen lassen. Und diese heimtückische Strategie klappt: Nirgendwo funktionieren die Terror-Deportationen so reibungslos wie in den Niederlanden. Alleine aus dem KZ Westerbork werden insgesamt 102.000 Menschen in den Tod nach Osten transportiert, darunter auch Anne Frank.


Die Familie Weyl hat Glück. Mehrfach entgehen sie knapp der Ermordung. Einmal wird durch einen (versehentlichen) alliierten Luftangriff die Deportationsliste, auf der ihre Namen standen, vernichtet. Schließlich wird die Familie nach 3 Jahren, kurz vor Kriegsende befreit.


Eva Weyl beendet ihren Vortrag mit dem Appell an die anwesenden jungen „Zweitzeugen“, sich gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und die Verfolgung von Minderheiten einzusetzen. „Nie wieder darf auch nur ansatzweise ein solches Verbrechen geschehen!“


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Nach gut einer Stunde gebannten Zuhörens beginnt die Fragerunde. Die Schilleraner*innen wollen wissen, wie die Familie Weyl dieses Grauen aufarbeiten konnte, ob Eva Weyl heute noch Kontakt zu anderen Opfern der Nazis hat und wie sie es nach diesen Erlebnissen schafft, so spürbar positiv den Menschen mit ihrer herzlichen Freundlichkeit zu begegnen.


Eine berührende Veranstaltung geht zu Ende. Kolleginnen und Kollegen berichten von der Ergriffenheit, mit der Schülerinnen und Schüler anschließend im Unterricht über das Gehörte sprechen wollen.


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Indes geht die Arbeit gegen das Vergessen für Eva Weyl weiter. Seit 17 Jahren berichtet die heute 90-jährige als Zeitzeugin der Öffentlichkeit vom Grauen der NS-Diktatur, jährlich in 75-90 Veranstaltungen. Zur Schiller-Veranstaltung ist eigens ein Filmteam der Landesregierung NRW für eine Dokumentation über unseren Gast angereist. Am 27.01. ist Eva Weyl in der Zeche Zollverein in Essen zur Eröffnung der Ausstellung holo-voices.de in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Wüst die Hauptrednerin.


Auch zu uns wird Eva Weyl wieder kommen. Für 2027 hat sie bereits eine Aula-Veranstaltung zugesichert und die so beeindruckend junge alte Dame wird wieder mit dem eigenen PKW aus Amsterdam anreisen.